Murat Mümtaz Gök
Murat Mümtaz Gök
Giriş Tarihi : 07-01-2016 23:02

Die Generationenlüge

1961, das Jahr in dem mein Vater nach Deutschland  auswanderte, 1961 ein Jahr der Wirren in der Türkei, ein Jahr, in welchem der damalige Staatspräsident der jungen Republik Türkei hingerichtet wurde, ein Jahr der Arbeitslosigkeit in der Türkei, ein Jahr mit vielen wichtigen Ereignissen und ein Jahr der Umwälzungen. Insbesondere aber das Jahr, in welchem mein Vater eine Entscheidung traf, die für mein Leben entscheidend werden sollte. Die Entscheidung nämlich zur ersten Generation einer neuen Spezies in Deutschland zu werden. Zu denen zu gehören, die durch ihre fleißige, demütige und aufrichtige Arbeit Deutschland helfen sich wirtschaftlich neu aufzubauen und eben teil zu haben an dem gerade erst zurückliegenden Wirtschaftswunder. Ein Jahr der Hoffnungen, sollte aber zu einem Leben der Enttäuschungen und Demütigungen werden, ein Leben in welchem der Vater enttäuscht, der Sohn der ich bin aber gestärkt hervorgehen sollte, ein Sohn, der beruflich, gesellschaftlich aufgestiegen dazu gehören sollte. Kaum noch falle ich auf als Sohn eines Gastarbeiters, zu sehr assimiliert, zum Akademiker herangewachsen, mit sozialer, wirtschaftlicher und politischer Macht ausgestattet in gut situierten Verhältnissen lebend fühle ich mich wohler, als mein Vater der ersten Generation, der mit uns noch in Kellerräumen wohnen musste, die er von den Hausbesitzern gemietet hatte, welche die Bescheidenheit und Demut der Gastarbeiter aus der Türkei zu nutzen wussten, um aus dem letzten Drecksloch noch Geld zu machen…viel zu lang die Litanei der Erlebnisse, welche traurig zu stimmen vermögen um in dieser Seite Platz zu haben um beschrieben zu werden. Deshalb hier ein kleiner Schnitt und eine Anregung über eine andere Seltsamkeit nachzudenken, die unmittelbar hiermit zusammenhängt und wenig beleuchtet wir:

Mein Vater stellt der Logik und geschichtlichen Realität nach, sofern man die Einwanderungen nicht bis zu den Kreuzzügen und sogenannten Beutetürken zurückverfolgt, die erste Generation der Gastarbeiter aus der Türkei dar. Ich, als sein 1968 in Deutschland geborener Sohn müsste demnach die 2.Generation sein, meine 2000 und 2005 in Deutschland geborenen Kinder demnach die dritte Generation. Aber weit gefehlt meine lieben Freunde, urteilt man nach der Lesart hiesiger Politiker und Medien, so reden wir immer noch von einer angeblichen 2.Generation, die in Deutschland Integrationsprobleme hat und die deutsche Sprache und Kultur nicht versteht. Ein Haufen stumpfer, ungebildeter, arbeitsunwilliger Ausländer, für die die Schengener Mauer errichtet wurde, um sie von dem Elend abzuhalten, welches sie hier erwartet….usw.

Seltsam, will die Gesellschaft etwa vertuschen, dass wir, die wir bereits in mehreren Generationen hier leben und inzwischen Deutsche geworden sind, längst ein unauffälliger Teil der deutschen Gesellschaft sind, zum größten Teil sogar wirtschaftlich stark und sozial in hohem Stande positioniert? Sind wir, die die echte 2. Generation sind so Mächtig, dass die Politik uns so sehr fürchtet, dass Sie sich eine andere 2. Generation herholen muss?

Man beachte dazu folgendes:

Etwa in den 80er Jahren wanderten erstmals keine Gastarbeiter, sondern verstärkt Asylanten und Flüchtlinge in Deutschland ein. Es handelte sich um Gruppen von Linksextremen und Anhängern diverser Terrororganisationen, die vorgaben in der Türkei politisch verfolgt zu werden und erhielten freizügig und ohne ausreichende Kontrolle der Hintergründe in Deutschland das Bleiberecht. Auf einmal sprach man von ihnen als der 2. Generation. Eine Gruppe von Menschen, welche in unsere freiheitlich demokratische Grundordnung und in die deutsche Kulturwelt und Sprache so gut wie nicht integrierbar waren, weil oftmals auch die nötige Bildung fehlte und die politische Weltsicht sich eher an der Sowjetunion und ihren kruden politischen Vorstellungen orientierte. In dieser Zeit aber kam es der etablierten Politik zu Gute gerade diese Menschen als 2.Generation vorzuführen, da man an ihnen die „Ausländerproblematik“ sehr gut an Vorurteilen stigmatisieren konnte. Das Bild des unintegrierbaren Ausländers, den es zurückzuführen gilt ließ sich wunderbar medial präsentieren. An uns, der echten 2.Generation, die schon längst auf deutschen Schulen erfolgreich waren hätten sich die Politiker die Zähne ausbeißen müssen, ihre Lügen wären enttarnt worden. Also her mit den Bergbauern und proletarischen Massen der Osttürkei, die nicht wie die Gastarbeiter der ersten Generation arbeiteten, sondern lieber von der Sozialhilfe finanziert wurden. Ein wunderbares Futter für die politische Stigmatisierung, nicht war?

O weh Oh Klage, es ging nicht lange gut, auch diese „Bergbauern“ und „Asylanten“ entwickelten sich ganz rasch und integrierten sich. Doch Rettung nahte, denn in den 1990er Jahren wanderte plötzlich eine andere Gruppe ein. Die Gruppe der Asylanten aus religiös motivierten Organisationen, die sich als Islamisten in der Türkei nicht mehr sicher fühlten…und siehe da die Medien und die Politik sprachen plötzlich von diesen als der 2.Generation. Eine Gruppe von Kopftuchträgerinnen, ultraorthodox islamistischen Vollbartträgern und geschlagenen und zwangsverheirateten, bildungsresistenten Menschen, denen es zur helfen gilt, die es zu missionieren und zu assimilieren oder auszuweisen gilt…dargestellt als integrationsunwillige und totunglückliche Menschen, gerade gut genug um die unsterblichen Stigmata und bösen Geister zu nähren, die die Politik so gerne hat, eine Politik, die uns, welche wir die echte 2.Generation sind fürchtet, weil wir es sind, die schon längst angekommen sind. Oh weh, oh Leid…Gott steh uns bei, denn wenn wir genau hinsehen haben sich die Ankömmlinge aus den 1990ern auch sehr gut gemacht und sind bald besser integriert als die Blutsdeutschen selbst…der Politik fehlt nun jegliche Möglichkeit ihre Stigmata am Leben zu erhalten. Was nun, vor allem wenn man Angesichts der Europa Krise ängstlich gen Türkei schaut und bemerkt, dass die Türkei Europa in Sachen Entwicklung und Wirtschaftskraft schon längst überholt hat. Wenn man so langsam bemerkt, dass Europa es ist, welche die Chancen verpasst hat und es für die Türkei schon lange nur noch eine Frage der Koketterie ist überhaupt noch ein vernachlässigbares Interesse an einem niedergehenden Europa zu haben. Zum Glück gibt es die echte 2.Generation ja noch, welche trotz allem ein Interesse an Europa hat und beides zu bewahren sucht! Vielleicht werde ich mich mit meiner Heimat Deutschland ja einmal versöhnen…meine Söhne haben es schon!

 

Murat Mümtaz Gök

Publizist, Verleger und Jurist

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